Dec 16, 2017

„Ist das dein Ernst, Litfaß?“ - oder „Wie kommt Dada an die Säule?

Wir hatten an den Kulturtagen einen Stand an der Schul-Litfaßsäule, die seit einigen Monaten kaum noch genutzt wurde. Wir wollten allen Besuchern die Möglichkeit geben, sich an einer gemeinsamen Collage als Endprodukt zu beiteiligen: Bilder aus einer Zeitung auswählen, ausschneiden, einkleistern und an der Säule platzieren. Ganz einfach!

In unserem Kunstprofil, haben wir uns im zweiten Semester mit den Themen „Street Art“ und Dada-Collagen beschäftigt. Dabei haben wir uns Inspiration bei der Dadaismus Künstlerin Hannah Höch geholt.

Bevor wir auf die eigentliche Idee kamen, haben wir uns erst einmal mit der Litfaßsäule befasst: Mit ihren Gegebenheiten, ihrem Standort und der Umgebung. Wir haben viele Ideen zur Gestaltung entwickelt, welche wir dann versucht haben, am Modell umzusetzen. Die beste dieser Ideen wurde im Vorfeld der Kulturtage umgesetzt. Es war eine schwarze „Kratzsäule“, an der sich jeder an seine Kindergarten- und Grundschulzeit erinnert fühlen konnte. Die Technik des Wachsbildkratzen hat fast jeder dort schon einmal ausprobiert. Schon nach einer Woche sah man viele spontane Ergebnisse an der Säule. Die Säule hatte tatsächlich zum Gestalten aufgefordert...
Im Anschluss haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie man das Mitgestalten an der Säule bei den Kulturtagen noch verstärken könnte - so wie wir es bei eingen Street Art – Aktionen kennengelernt hatten. Die Säule sollte noch mehr zum Gestalten einladen.

Was versteht ihr unter Street Art und Dadaismus?

Unter Street Art verstehen wir eine aktuelle und zum Teil neue Kunstform, welche hauptsächlich auf der Straße stattfindet und mit den Örtlichkeiten spielt. In anderen Stadtteilen sieht man sehr viel davon auf der Straße.
Street Art bedeutet nicht gerahmt zu sein, sondern agiert mit der Vergänglichkeit der Dinge und der Spontanität der Leute.

Der Dadaismus ist eine Kunstrichtung, die vor 100 Jahren in Europa sehr wichtig war. Dada widmete sich dem Sinnlosen, Zufälligen und Willkürlichen, um geltende Regel in Kunst zu brechen und Gesellschaft abzulehnen oder zu brechen.
Dada hat eine ablehnende Haltung gegenüber Krieg und traditioneller Kunst.

Wie habt/wolltet Ihr das an der Litfaßsäule umsetzen?

Um das Brechen von Regeln ging es uns nicht so sehr. Aber auch bei den Kulturtagen ist die Erwartung der Besucher vorhanden, dass man etwas gezeigt bekommt. Die eigene Aktivität gerät dabei in den Hintergrund. Und an den Reaktionen der Besucher konnte man merken, dass sie überrascht waren, hier selbst etwas tun zu „müssen“.

Da Collage eine häufig angewendete Technik des Dada ist und auch in der Street Art eine Rolle spielt, wollten wir damit arbeiten. Das Gute ist, das sich daran jeder beteiligen kann. Man braucht zunächst keine Vorkenntnisse und man lernt vieles beim Machen. Es entwickelten sich zwischen den Aktiven Gespräche über die Platzierung und über die schon entstandenen neuen Bedeutungen der Bilder. Darin sahen wir die Möglichkeit unser gelerntes Wissen so am besten weiterzugeben und eine spannende Aktion zu erleben.

Gab es Schwierigkeiten, diese an den Kulturtagen umzusetzen?

Ja, da unsere Aufforderung mitzumachen nicht bei allen die Lust weckte. Außerdem gab es logistische Probleme durch einen unvorteilhaften Standort inmitten von Würstchen und Waffeln. Das verwirrte einige Besucher, die vorbei kamen. Vor allem, dass das Mitmachen „umsonst“ war, konnten einige kaum glauben.
Leider war auch das Wetter nicht förderlich, da es geregnet hat. Und da mag man nicht gern die nassen Zeitschriften nach geeigneten Bildern suchen. Dennoch war die Säule am Ende reichlich gefüllt und es gab Besucher, die sich in einen „Rausch“ schnipselten und kleisterten...

Würdet Ihr die Aktion wiederholen und wenn ja, was würdet Ihr anders machen?

Wir würden es wiederholen. Allerdings würden wir Veränderungen am Standort vornehmen, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen.
Außerdem denken wir, dass mehr Werbung und Sitzmöglichkeiten für die Aktion von Vorteil gewesen wären. Das Ergebnis hat uns aber sehr gefallen, denn die neuen Bilder auf der Säule hatten schon etwas sinnvoll Unsinniges.

Vielleicht hätte es auch Ernst Litfaß zum Staunen gebracht...

Lucie, Friederike, Lena, Felix, Rukiye

Stadtteilschule Bergedorf
Ladenbeker Weg 13
21033 Hamburg, Germany

Schulbüro: 040 428925–01

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